Chojun Miyagi
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HISTORIE

 


Entstehung und Geschichte des Okinawa Goju-Ryu

Inhaltsübersicht

  1. Ein kurzer Überblick
  2. Die Wurzeln
  3. Okinawa, die Insel des Karate
  4. Kanryo Higaonna - das Naha Te
  5. Chojun Miyagi - Begründer des Goju Ryu
  6. An'ichi Miyagi
  7. Morio Higaonna, 10.Dan IOGKF
  8. Okinawa goju-ryu precepts


Ein kurzer Überblick


Die Wurzeln des Okinawa Goju-Ryu Karate-Do gehen zurück auf
Kanryo Higaonna (1853-1916), der als 15-jähriger nach Fuzhou (Provinz Fujian, China) ging und dort von 1868 bis 1882 unter Ryu Ryu Ko die chinesischen Kampfkünste studierte. Ryu Ryu Ko unterrichtete in der Tradition des Weißen Kranichboxens (Bai He), das in Fujian seit dem 17. Jahrhundert durch das Mönchs- (Luohan Quan) und Tigerboxen (Hu Quan) neue Impulse erhielt.
Chojun Miyagi (1888-1953) wurde nach der Rückkehr Kanryo Higaonnas dessen bedeutendster Schüler. Er war es auch, der den Stil des Goju-Ryu Karate-Do begründete und systematisierte.
An'ichi Miyagi (*1931; An'ichi Miyagi ist nicht verwandt mit Chojun Miyagi), den Chojun Miyagi bis zu seinem Tod unterrichtete, wurde der Lehrer von Shuseki Shihan Morio Higaonna 10. Dan Hanshi, Begründer der International Okinawan Goju-Ryu Karate-Do Federation - IOGKF, der er als Chairman und World Chief Instructor vorsteht.
Die IOGKF ist heute in über 45 Ländern der Welt vertreten und hat sich der Erhaltung und weltweiten Verbreitung der Kunst des Okinawa Goju-Ryu Karate-Do in seiner ursprünglichen Form als einem unantastbaren Kulturschatz verschrieben. Die direkte Linie der Überlieferung von Kanryo Higaonna über Chojun Miyagi und An'ichi Miyagi zu Morio Higaonna ist der Grund für das tiefe Verständnis von Kata und deren unveränderte Ausführung bis zum heutigen Tag, sowie der Erhaltung des Okinawa Goju-Ryu Karate-Do als eine komplette Kampfkunst, die sich nicht nur auf Faust- und Fußtechniken beschränkt. Die Pflege einer lebendigen Tradition hat im Okinawa Goju-Ryu Karate-Do zentrale Bedeutung.

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Die Wurzeln

Die wichtigsten Wurzeln des Karate-Do liegen - wie wohl bei allen ostasiatischen Kampfkünsten - in China. Das Reich der Mitte blickt auf eine jahrtausende alte Tradition von Kampfkultur und gesunderhaltenden Körperübungen zurück. So sollten z.B. schon im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung die Herrscher der Yü-Dynastie ihren Untertanen Übungen zur Gesunderhaltung und Stärkung befohlen haben. Auf Vasen aus der Zeit um 1000 v.Chr. sind Faustkampftechniken abgebildet.

Konkreter wird die Überlieferung dann aber erst im 6. Jahrhundert n.Chr.: Um 520 soll ein indischer Mönch names Ta Mo (auch Bodhidharma oder Daruma) im legendären Shongshan Shaolin Tempel in Honan in Nordchina Aufnahme gefunden haben. Neun Jahre ununterbrochener Meditation hinterließen einen bleibenden Eindruck nicht nur bei den anderen Mönchen sondern auch in einem Stein, der heute noch als eine Art Reliquie im Tempel zu bestaunen ist. Danach soll Ta Mo den durch das viele Stillsitzen geschwächten Mönchen Yogaübungen und Kampfformen der indischen Kschatria Kriegerkaste beigebracht haben, der er entstammte.

Ta Mo

Im Shaolin-Kloster findet erstmals eine systematischere Verbindung zwischen Gesundheitsübung und Kampftechniken sowie Spiritualität und Kampfkunst statt, eine Verbindung, die das besondere Wesen der ostasiatischen Kampfkünste im Vergleich zu anderen Kampfkulturen wie z.B. dem griechisch-römischen Ringen oder der europäischen Fechtkunst ausmacht.
In der Folgezeit finden in ganz China verschiedene Richtungen des Boxens, zusammengefaßt unter dem Begriff Quan Fa, Gong Fu oder Kempo, Verbreitung.
Die Überlieferung und Weiterentwicklung der Techniken erfolgt in klösterlichen oder Familienzusammenhängen.

Für die Stilrichtung Goju-Ryu haben neuere Forschungen mit einiger Sicherheit ergeben, dass dessen Wurzeln überwiegend im Weißer-Kranich-Gongfu der chinesischen Küstenprovinz Fuzhou liegen. Dort unterrichtete vor ca. 300 Jahren, also im 17. Jahrhundert, ein Mann namens Fang Shuju, der das Mönchsboxen im südlichen Fujian Shaolin Kloster erlernt hatte, seine Tochter Fang Jiniang in dieser Kunst. Fang Jiniang selbst entwickelte aus diesen Kenntnissen und ihren eigenen Tierbeobachtungen -eine in China weit verbreitete Übung - einen eigenen Stil: das Weißer-Kranich Gongfu. Die weiteren Hauptlehrer dieser Kunst bis zu den Gründervätern des Goju-Ryu sind lückenlos überliefert und haben z.T. sicher auch andere Elemente z.B. aus dem Tigerboxen in ihr System einfließen lassen.

Bevor wir uns jedoch dieser neueren Geschichte zuwenden, werfen wir einen Blick von China aus über das Meer nach Okinawa, der Geburtsstätte des Karate-Do.

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Okinawa, die Insel des Karate


Okinawa, Hauptinsel des zwischen China und Japan gelegen
Ryukyu-Archipels pflegt seit langer Zeit einen regen Handels- und auch Kulturaustausch mit China. Für das Jahr 1372 ist erstmals die Ausübung von chinesischem Kempo auf Okinawa dokumentiert. Am Ende des 15. Jhdt. verbietet König Sho Shin (1477-1526) seinen Untertanen bei Todesstrafe das Tragen von Waffen. Auch wenn dieses Verbot wie ähnliche Verbote in der Regierungszeit seiner Vorgänger nie vollständig durchgesetzt wurde, trug es sicher zu einer intensiveren Konzentration auf waffenlose Kampfkünste auch in der adeligen Schicht bei.

Im Jahre 1609 eroberten die japanischen Satsuma-Krieger aus Kyushu und Kagoshima die Insel und errichteten ein grausames und ausbeuterisches Besatzungsregime. In dieser Zeit wurde die waffenlose Selbstverteidigungskunst zu weiterer Perfektion entwickelt. Gekennzeichnet ist die okinawanische Tradition durch eine Konzentration auf Fausttechniken und eine besondere Kraftbetonung. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen auf Okinawa die Waffen, die aus Bauerngeräten zu Selbstverteidigungswaffen entwickelt wurden: die Nun Chaku aus Dreschflegeln, Tonfa aus Sensengriffen, Sai aus Heugabeln und andere.

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Kanryo Higaonna, das Naha Te

Kanryo Higaonna

Einer der vielen okinawanischen Küstenschiffer und Händler, die im vorigen Jahrhundert mit ihren Booten zwischen China und Okinawa Handel trieben, war Kanryo Higaonna (1853-1916). Schon als Jugendlicher trainierte er bei Aragaki Seisho und Kojo Taite Mönchsboxen, lernte u.a. Kata Sanchin, Sesan und Suparinpei, die er im Jahre 1867 öffentlich demonstrierte.
Im Jahre 1868, also im Alter von 15 Jahren, fuhr er nach Fuzhou und blieb dort bis ca. 1882. Er lernte Gong Fu bei Pan Yuba, der ihm als Sempai (=älterer Schüler, Assistent) den später berühmten Xie Zhongxian alias Ryu Ryu Ko (1852-1915) zuordnete.
Ebenfalls integraler Bestandteil des Unterrichts war chinesische Heilkunde, Akupunktur, Massage, Moxa und Kräuterlehre, sowie die Waffenkunst, das Kobujutsu.
Nach seiner Rückkehr auf die Insel ging Kanryo Higaonna anfangs wieder seiner Arbeit als Küstenschiffer nach, aber andere Händler trugen die Kunde über seine in Fuzhou vielgerühmte Kampfkunst nach Okinawa. Er unterrichtete dann auf intensive Bitten hin einzelne Schüler u.a. Juhatsu Kyoda als Uchi Deshi (innerer Schüler, der im Haus wohnt) und auch Chojun Miyagi als einen seiner äußeren Schüler.
Er nannte seine Kunst nach der Hauptstadt von Okinawa Naha Te (te=Faust).

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Chojun Miyagi, Begründer des Goju Ryu


Der Begründer des Goju-Ryu, Chojun Miyagi (1888-1953) entstammte einer wohlhabenden adeligen Familie und wurde im Alter von 11 Jahren zum Kampfkunstunterricht zu Aragaki Ryuko gebracht, um ihn für seine spätere Rolle als Familienoberhaupt zu erziehen. Mit 14 Jahren reichte dieser ihn als Schüler an Kanryo Higaonna weiter. Neben dem Unterricht dort lernte er auch Weißer-Kranich-Gongfu bei Wu Xianhui, u.a. gemeinsam mit Kenwa Mabuni, dem Begründer des Shito-Ryu.
Nach dem Tod Kanryo Higaonnas ging er ebenfalls wie sein Lehrer nach Fuzhou und trainierte dort mehrere Monate unter anderem im Julianshan Fujian Shaolin Kloster. Nach seiner Rückkehr nach Okinawa erlangt er zunehmend Berühmtheit, es folgten Einladungen nach Japan, ein längerer Aufenthalt auf Hawai, Gastunterricht an Universitäten und öffentliche Demonstrationen u.a. bei den Krönungsfeierlichkeiten von Kaiser Hirohito.

Chojun Miyagi

Als Chojun Miyagi immer häufiger nach einem Namen für seine Kunst gefragt wurde, ließ er sich bei der Namensfindung durch einen Satz aus dem Bubishi, einer alten Schrift über die Quellen unseres Stils, inspirieren: "Alles im Universum atmet hart und weich."
Goju-Ryu (Hart-Weich-Stil) wurde dann im Jahre 1933 als erste Karatestilart beim altehrwürdigen Dai Nippon Butokukai registriert (
Okinawa goju-ryu precepts). Um hier mehr Anerkennung zu erlangen wurde im Oktober 1935 der bis dahin benutzte okinawanische Terminus "Toudijutsu" durch das japanische Wort "Karate-Do" (Weg der leeren Hand) ersetzt.

Durch die Entwicklung des Unterrichts vom Einzelunterricht für einen kleinen sorgfältig ausgewählten SchülerInnenkreis hin zu dem Massenunterricht z.B. an Universitäten veränderten sich auch Unterichtsstil und -inhalte. Aus dem Judo wurden die Anzüge und das Gurtsystem übernommen, dies sicher auch aus didaktischen und pädagogischen Erwägungen heraus. Die SchülerInnen lernten nicht mehr nur wenige nach ihren Talenten ausgesuchte Kata (=Formen) sondern nacheinander alle im Stil standardisierten; Chojun Miyagi entwickelte zwei Kata speziell für AnfängerInnen, Gekisai Dai Ichi und Gekisai Dai Ni, ein standardisiertes Aufwärmsystem, sowie eine eigene Version der Kata Sanchin, die Kata der 'kreisenden Handflächen' Tensho.
An'ichi Miyagi

Während des zweiten Weltkriegs kam der Karateunterricht weitgehend zum
Erliegen. Chojun Miyagis wichtigster Schüler Jin'an Shinzato, starb im Krieg. Nach dem Krieg wurden An'ichi Miyagi *1931 (Photo rechts) als Uchi Deshi und Eiichi Miyazato seine wichtigsten Schüler. Im Jahre 1953 starb Chojun Miyagi und An'ichi Miyagi führte sein Gartendojo weiter.

Sein wichtigster Schüler in Japan, wo Chojun Miyagi sich allerdings nur relativ kurze Zeit aufgehalten hatte war Gogen Yamaguchi (1909-1989). Er fügte dem japanischen Zweig des Stils Elemente aus dem Shinto (animistische Nationalreligion in Japan) und Yoga hinzu und gründete die weltweite Organisation Gojukai. Einer seiner ehemaligen Schüler, der sich zu Lebzeiten von ihm trennte und das in Deutschland relativ weit verbreitete Yuishinkan Goju-Ryu gründete, war Kizaki Tomuharu (1920-1996).
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Morio Higaonna, 10. Dan IOGKF


In das Gartendojo wurde ein Jahr nach dem Tod Chojun Miyagis der heutige Headinstructor der International Okinawa Gojuryu Karatedo Organisation (IOGKF), Morio Higaonna, *1938, empfohlen. Durch seinen Vater und einen Schüler Chojun Miyagis verfügte er bereits über Vorkenntnisse im Shorin-Ryu und Goju-Ryu. Er trainierte mit grosser Hingabe und Talent, wurde schnell Uchi Deshi und bekam im Jahr 1957 bei der ersten öffentlichen Danprüfung den 3. Dan verliehen. Im selben Jahr wurde das Gartendojo geschlossen und das Jundokan eröffnet, Okinawas einziges 24 Stunden offenes und bekanntestes Dojo.

Morio Higaonna
Im Jahre 1960 ging Higaonna Sensei nach Tokio, um zu studieren und unterrichtete dort am Shurenkai Dojo in Yoyogi, einer Vorstadt von Tokio. Die Brillianz seiner Techniken und sein fundierter Unterricht zogen während der folgenden 20 Jahre tausende von SchülerInnen in das Dojo und machten es weltberühmt.
1979 wurde die
IOGKF gegründet, in der weltweit inzwischen weit mehr als 20 000 Karateka organisiert sind. Seit 1987 lebt Morio Higaonna mit seiner Familie in Carlsbad, Kalifornien. Dort befindet sich das Honbu Office, das Administrative Headquarter. Das Technical Honbu ist immer noch auf Okinawa. Higaonna Sensei pendelt zwischen Kalifornien und Okinawa, wenn er nicht gerade Gasshukus in anderen Ländern abhält. Er kommt mindestens zweimal pro Jahr nach Europa, unterrichtet auf großen Lehrgängen und nimmt hohe Dan-Prüfungen ab. Er hat inzwischen mehrere Bücher über das Karate-Do und seine Geschichte, sowie Videotapes veröffentlicht.

Er schreibt über das Karate:
"Wir sind nicht darauf aus in Situationen zu geraten, in denen wir unser Karate anwenden können. Im Gegenteil: Wir versuchen gerade solche Situationen um jeden Preis zu vermeiden. Wenn wir angegriffen werde und uns verteidigen müssen, werden wir dies selbstverständlich tun. Zweck des Karate ist die Verteidigung und aus diesem Grund beginnen alle Kata mit einer Verteidigungsbewegung. Es gib ein altes japanische Sprichwort "Karate niwa sente nashi", das bedeutet, dass wir im Karate niemals die erste Bewegung machen, oder dass ein Karateka niemals als erster angreift. Bei einem Angriff müssen wir den Angreifer unter Kontrolle halten, um uns selbst zu verteidigen. Karate ist eine pazifistische Philosophie."( Morio Higaonna)

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Letzte Aktualisierung: April 2010

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