Chojun Miyagi
Logo OGKVD
 
TRAININGSINHALTE
 

Okinawa Goju-Ryu Karate - Hart-Weicher Stil

Inhaltsübersicht

  1. Das Training
  2. Technisches Curriculum
  3. Terminologie

Das Training
Die folgende Grundstruktur beschreibt die Trainingsinhalte des Okinawa Goju-Ryu Karate-Do; einzelne Trainingsstunden können davon abweichen.

Junbi Undo

A
ufwärmen oder Junbi Undo
Das Aufwärmen besteht aus einer Reihe von Übungen, die zur körperlichen und mentalen Vorbereitung auf das Training dienen. Dabei kommen Atemübungen, Stretching, Krafttraining, Entspannungsübungen etc. zur Anwendung.
Zum Teil besteht dieser Trainingsabschnitt aus traditionellen vorbereitenden Übungen (Junbi Undo), in denen Muskeln, Bänder und Sehnen gedehnt und gekräftigt werden. Charakteristisch für diese Übungen ist die Koordination mit der Atmung und Konzentration. Daneben sind die aktuellen Erkenntnisse aus der Sportphysiologie und Trainingslehre Leitfaden für das Training.
Seitenanfang

Hojo Undo

Traditionelles Krafttraining oder Hojo Undo
Das traditionelle Krafttraining oder Hojo Undo ist eine Form des Krafttrainings, bei der die Bewegungen sehr nah an den Karatetechniken und dem Training orientiert sind. Spezielle Trainingshilfsmittel, die im Laufe der Geschichte entwickelt wurden und deren Wert belegt ist, kommen hierbei zur Anwendung. Diese traditionellen Trainingshilfsmittel bestehen aus natürlichen Materialien wie Holz, Eisen und Steinen, die dem Hojo Undo einen einmaligen Charakter verleihen, der als "sabi"
und "wabi" oder Natürlichkeit und Einfachheit bekannt ist. Hojo Undo ist ein wichtiger Bestandteil des Basistrainings. Wörtlich übersetzt heißt "hojo" Unterstützung.
Das Hojo Undo fördert die Entwicklung von Kraft, Ausdauer und Schlagkraft. Neben den erwähnten traditionellen Hilfsmitteln kommt auch das s.g. Makiwara (Sandsack, Schlagkissen und Schlagpfosten, etc.) zum Einsatz.

Seitenanfang


Kihon

Grundtechniken oder Kihon
In diesem Teil des Trainings werden Fauststöße, Abwehren, Schlagtechniken, Würfe, Gelenkhebel, Tritte etc. geübt. Dies geschieht wahlweise in Einzelübungen oder zusammen mit einem Trainingspartner. Zuerst erlernt man die formalen Grundtechniken (Kihon), um die Basisqualitäten wie einen festen Stand, schnelle Beinarbeit, Koordination von Bewegung und Atmung, Erdung, Wechsel zwischen Spannung und Entspannung, Konzentration etc. zu festigen. Danach erlernt man die Anwendung von Kihon für Selbstverteidigungssituationen und Sparring (Iri Kumi Kihon).
Seitenanfang


Kata

Soloformen oder Kata

Die Kata stellen das Herzstück des Karate dar. Einfach gesprochen ist eine Kata eine Reihe von aufeinanderfolgenden Grundtechniken in einer vorbestimmten Form. Sie ist so organisiert, als würde man sich gegen mehrere Angreifer verteidigen. Kata-Training ist eine Form des Übens, in der die Basisqualitäten von Kampfbewegungen und -techniken in einer harmonischen Weise ausgeführt werden. Es erfordert ein hohes Niveau an Konzentration und Balance von den Karateschülern.
Obgleich die Kata, genauso wie die Grundtechniken darauf abzielen die essentiellen Bewegungsqualitäten zu entwickeln, sind sie gleichzeitig auch eine Art Enzyklopädie von Selbstverteidigungstechniken. Jede Bewegung in den Kata stellt tatsächlich eine Sammlung verschiedener Kampftechniken und / oder -prinzipien dar, die zusammen mit einem Partner unter der Bezeichnung Bunkai Kumite trainiert werden.
Die Kata des Okinawa Goju-Ryu sind durch einen dynamischen Wechsel von vielseitigen Bewegungsqualitäten (Muchimi, Chiru Nu Chan Chan u.a.), stabilen Ständen und zirkulären Bewegungen charakterisiert.

Die Kata des Goju-Ryu
Man unterscheidet zwischen Heishu Kata ( Kata der "geschlossenen Hand"; wobei sich dies nicht auf die Hände, sondern auf das Tanden bezieht, das während der Kata fest geschlossen ist) und Kaishu Kata (Kata der "offenen Hand"; das Tanden schließt sich erst im Moment des Kontakts oder am Ende einer Muchimi-Bewegung).

Gekisai Dai Ichi Angreifen und Zerstören Nr.1
Gekisai Dai Ni Angreifen und Zerstören Nr.2
Saifa Zerstörende Angriffe
Seiyunshin Ringen; aus dem Gleichgewicht bringen
Shisochin 4-Richtungskampf
Sanseru 36 Hände
Sepai 18 Hände
Kururunfa frei übersetzt: Ruhe vor dem Sturm
Sesan 13 Hände
Suparinpei 108 Hände
Sanchin 3 Gefechte (2 Versionen)
Tensho Kreisende Handflächen
Seitenanfang

Kumite

Kampfübungen oder Kumite
Hierunter fallen eine Vielzahl von verschiedenen Übungen mit wechselnden Angriffen und Abwehren bzw. Verteidigungen. Da gibt es einfache und komplizierte, langsame und schnelle, etc. Kombinationen.
Die Kampfübungen des Okinawa Goju-Ryu decken das ganze Spektrum des (waffenlosen) Kämpfens ab. Der Fokus ist mal auf Distanzkampfsituationen, mal auf Nahkampf und/ oder nachfolgenden Bodenkampf gerichtet. Der Standkampf wird dabei aber betont.
Ein wichtiger Bestandteil sind die auf der Analyse der Kata-Bewegungen für Selbstverteidigungsituationen ((Oyo) Bunkai Kumite) begründeten Kampfübungen.
Zwei fortgeschrittenere Kampfübungen sind das Kaki-e und Iri Kumi.


Kaki-e

Kaki-e ist eine Übungsform bei der die Karateka im physischen Kontakt miteinander bleiben, während sie sich gegenseitig ziehen, schieben und kontrollieren. Von hier aus werden s. g. Tuite oder Gyakute Techniken angewendet, wie z.B. Würfe, Gelenkhebel, Druckpunkt-Techniken etc.
Mit anderen Worten, Kaki-e ist eine Grappling-Übung.

Seitenanfang


Iri Kumi

Im Freikampf oder Iri Kumi kommen diese Grappling-Techniken ebenfalls zur Anwendung. Obgleich der 'Infight' typisch für das Iri Kumi ist (= Nahkampf), beinhaltet es auch Distanzkampf und Übergänge zum Bodenkampf. Iri kumi ist ebenfalls das Wettkampfsystem des Okinawa Goju-Ryu Karate. Es wird in der Regel in Leichtkontaktform praktiziert.

Seitenanfang


Technisches Curriculum

Junbi Undo
Vorbereitende Übungen

Chikara Undo Kraftübungen
Junan Undo
Dehnübungen
Kokyu Undo
Atemübungen
Kiko Undo Ki-Übungen
 
Hojo Undo
Unterstützendes Training
Chi Ishi Steingewicht mit Hebestange
Kongoken Ovales Metallgewicht, wörtl. Eisenring
Nigiri Game Greifvasen
Ishi Sashi kurze Steinhantel
Sashi Ishi natürliches Steingewicht
Tetsuarei Eisenhantel
Tan Kugelhantel
Makiage Kigu Spule mit Gewicht zum Aufrollen '(Handgelenke)
Tetsu Geta Eisenschuhe
Tou Bambusbündel, Stock
Makiwara Schlagpfosten, -kissen, Sandsack
Jari Bako Kieskiste
Suna Bako Sandkiste (Stein- oder Bohnenkiste)
 
Kihon Gijutsu - Grundschule
Sonoba Kihon Gijutsu
im Stand ausgeführte Grundtechniken
Tachi Waza Standtechniken
Unsoko Ho Grundlegende Fußbewegungen
Ido Kihon Gijutsu
Übung der grundlegenden Technik in der Bewegung
Uke Waza Block- oder Abwehrtechniken
Zuki Waza Stoßtechniken
Uchi Waza Schlagtechniken
Geri Waza Trittechniken
Tuite / Gyakute
Wrestling-, Greiftechniken im Allgemeinen
Tsukami Waza Greiftechniken
Hiki Waza Ziehtechniken
Oshi Waza Schiebetechniken
Hazushi Waza Befreiungstechniken
Kansetsu Waza Gelenkmanipulationstechniken, Gelenksperren
Shime Waza Würgetechniken
Osae Waza Techniken, um den Gegner unter Kontrolle zu halten
Nage Waza Wurftechniken
Kyosho Waza Vitalpunkttechniken
Ura Waza wörtl: umdrehende Techniken
Ne Waza Bodentechniken
 
Kata - Stilformen
Heishugata
"geschlossene Hand"-Formen
Sanchin 3 Gefechte
Miyagi Chojun Version
Sanchin 3 Gefechte
Kanryo Higaonna Version
Tensho Kreisende Handflächen
Kaishugata
"offene Hand"-Formen
Gekisai Dai Ichi Angreifen und Zerstören Nr.1
Gekisai Dai Ni Angreifen und Zerstören Nr.2
Saifa Zerstörende Angriffe
Seiyunshin Ringen; aus dem Gleichgewicht bringen
Shisochin 4-Richtungskampf
Sanseru 36 Hände
Sepai 18 Hände
Kururunfa frei übersetzt: Ruhe vor dem Sturm
Sesan 13 Hände
Suparinpei 108 Hände
 
Kumite - Kampfübungen, Sparring
Tanren Kumite
wörtl: schmiedende Kampfübungen
Ude Tanren/ Kote Kitae Schmieden, Abhärten des Unterarms
Tai Atari Übung zum Abhärten des Körpers, wörtl: Körperschlageübungen
San Dan Uke Harai Block auf 3 Ebenen, wörtl: Fegen
Kaki-e Klebende Hände (Übung)
Yakosuko Kumite
abgesprochene Kampfübung
Ippon Kumite Kampfübungen mit einerTechnik
Nihon Kumite Kampfübungen mit zwei Techniken
San Dan Gi Übung auf 3 Ebenen, Stufen
Renzoku Kumite aufeinanderfolgende Kampfübungen
Bunkai Kumite
Anwendungsübungen der Kampftechniken
Kihon Bunkai Anwendungsübungen mit einfachen Techniken im Partnertraining
Dento Teki Bunkai Traditionelle Anwendungen
Oyo Bunkai Variationen der Anwendungen
Jiyu Kumite
freies Sparring
Jiyu Ippon Kumite freies Sparring mit einer Technik
Jiyu Nihon Kumite freies Sparring mit zwei Techniken
Randori Kumite/
Iri Kumi
Sparring, Nahkampf
Kaki-e Kumite Sparring der klebenden Hände

Seitenanfang

 

Terminologie

"Fachjapanisch" für Karateka

Wir möchten Euch einige der häufig gebrauchten japanischen Worte und Begriffe erläutern, die wir im Karate-Do verwenden. Dieses "Fachjapanisch" dient der eindeutigen Verständigung (auch international) und faßt - ähnlich einer Wissenschaftsterminologie - komplexere Zusammenhänge begrifflich zusammen.

Allgemeine Begriffe

Häufig im Training benutzte Worte und Anweisungen:

Yame! Stopp!
Yoi! Sei bereit! Achtung, gleich gehts los!
Kamae Kampfstellung (-haltung)
Hajime Beginnt (zu kämpfen)!
Kime Fokus
Hidari links
Migi rechts
 
Ichi eins
Ni zwei
San drei
Shi vier
Go fünf
Roku sechs
Shichi sieben
Hachi acht
Ku neun
Ju zehn

Tachi Waza
- Stände

Die Standtechniken sind keinesfalls als statische Haltungen zu verstehen, sondern sind vielmehr Momentaufnahmen dynamischer Übergänge. Sie erleichtern das bewußte Führen des Körperschwerpunktes und die Orientierung im Raum.

Musubi Dachi Formale Grundstellung; die Fersen berühren einander,wobei die Zehen 45° nach außen zeigen (z.B. Begrüßung, Beginn und Ende von Kata)
Heiko Dachi Grundstellung; Füße stehen schulter- bzw. hüftweit parallel nebeneinander
Heiko Sanchin Dachi Grundstellung; wie Heiko Dachi, nur daß ein Fuß eine Fußlänge vor dem anderen steht
Zenkutsu Dachi Frontalstellung; 70% des Körpergewichts ruhen auf dem vorderen Bein, 30% auf dem hinteren
Han Zenkutsu Dachi Halbe, verkürzte Frontalstellung
Shiko Dachi Hockstellung; die Füße stehen doppelt schulterweit auseinander und zeigen 45° nach außen (wie Sumo-Ringer)
Neko Ashi Dachi Katzenfuß-Stellung; 95% des Körpergewichts ruhen auf dem hinteren Bein, 5 % auf dem vorderen


Zuki Waza -
Handstoß-Techniken
Grundsätzlich kann jeder Bereich der Hand zum Stoßen benutzt werden.

Choku Zuki Gerader Fauststoß nach vorn
Oi Zuki Gleichseitiger Fauststoß; z.B. linker Fuß vorn (Zenkutsu dachi) und und Fauststoß mit links
Gyaku Zuki gegengleicher Fauststoß; z.B. linker Fuß vorn und Fauststoß mit rechts


Uchi oder Ate Waza
- Schlagtechniken
Hier nur ein Auszug der zahlreichen Schlagtechniken:

Uraken Uchi Faustrückenschlag
Shuto Uchi Schwerthandschlag (= Handkantenschlag)
Hiji Ate/
Empi Uchi
Ellenbogenstoß bzw. Ellenbogenschlag
Tettsui Uchi Hammerfaustschlag (mit der Kleinfingerseite)


Geri Waza
- Tritt- und Beintechniken
Auszug der häufigsten Trittechniken:

Mae Geri Frontaltritt mit der Fußballe
Yoko Geri/
Sokuto Geri
Seitlicher Fußtritt mit der Fußaußenkante
Kansetsu Geri Niedriger seitlicher Fußtritt; vergl. Yoko Geri
Mawashi Geri Halbkreisfußtritt; mit Fußballen oder Spann
Ushiro Geri Rückwärtiger Fußstoß
Hiza Geri/
Hiza ate
Kniestoß
Kin Geri Spanntritt zum Genitalbereich
Sune Geri Tritt mit dem Schienbein (= low kick)


Uke Waza
- Abwehr- und Blocktechniken

Grundsätzlich kann jeder Körperteil und Körperbereich zur Abwehr verwendet werden.

Age Uke/
Jodan Age Uke
Unterarm-Abwehr im Kopfbereich
(Scheitel - Hals = Jodan)
Yoko Uke/
Chudan Yoko Uke
Unterarm -Abwehr im Brustbereich
(Hals - Solarplexus = Chudan);
der Arm wird in einer Kreisbewegung von innen nach außen geführt
Uchi Uke/
Chudan Uchi Uke
Unterarm- Abwehr; der Arm wird von außen geführt
Gedan Harai Uke Unterarm-Fegeabwehr im Bereich unterhalb des Solarplexus (= Gedan)
Hiki Uke Abwehr mit greifender und anschließend ziehender Hand
Ko Uke Abwehr mit dem gebeugten Handgelenk
Yoko Shotei Uke Seitwärts gerichtete Abwehr mit dem Handballen
Tora Guchi Abwehrbewegung mit beiden Armen (= Tigermaul)
Seitenanfang

Letzte Aktualisierung: April 2006

© Copyright IOGKF Germany/ OGKVD, all rights reserved
 

|
  
HOME  |  KARATE-DO  |  IOGKF  |  AKTUELLES  |  LITERATURTIPPS  |
|  KONTAKT  |  WEBMASTER  |  IMPRESSUM  |